Polyantharosen waren es, die meine Großmutter im Garten hatte. Nicht eine oder zwei, sondern dutzende – und alle waren rot. Geschnitten wurden sie im Frühling kräftig, dann gab’s vom Bauern gegenüber eine Scheibtruhe Kuhmist als Dünger und schon wuchsen die Königinnen, ganz solo und ohne Begleitung.
Stimmt nicht ganz: Tulpen blühten zwischen den Pflanzen. Kaum verblüht, begann das Wachstum der Rosen: fingerdicke und völlig gesund, meist tiefrote Triebe mit später 20 und mehr Blüten an einem Stiel. Verblühten dann die ersten Blüten, wurden sie mit einer langen, spitzen Schere ausgeputzt – und das täglich. Ordnung war der halbe Garten. Das kräftige gesunde Laub und die leuchtend roten Blüten waren weithin sichtbar. Duft gab es aber bei diesen Pflanzen keinen. Ein Rosenbeet, wie es in den 60iger Jahren üblich war.
Dann kamen die Krankheiten…
Doch dann kamen die Krankheiten. Sternrußtau, Mehltau, Rosenrost – Jahr für Jahr wurden die Pflanzen weniger und allmählich auch die Mühe der täglichen Pflege zu groß. Und so wich jedes Jahr ein Stück Beet dem Rasen, der immer mehr Platz einnahm. So war es in vielen Gärten.
Bis vor ein paar Jahren die Englischen Rosen die erste Renaissance der Rosen kam. Doch auch diese Welle flaute vor ein paar Jahren ab, bis sich nun die neue Lust auf Rosen breitmacht. Scheinbar wild und viel robuster als noch vor ein paar Jahren. Offene Blüten, selbst bei den romantischen englischen Rosen und – alles mit einem intensiven Duft, eine olfaktorische Welle so zu sagen.
Ich wette, meine Oma hätte jetzt wieder ein Rosenbeet angelegt, denn die Bienen und Schmetterlinge liebte sie. Und genau dafür stehen die neuen Rosensorten.