Es gibt Gartenbesuche, bei denen man nicht nur schaut, sondern sofort begreift, dass nicht der Augenblick zählt, sondern das, was bleibt. Im Schaugarten der Gartenbauschule Langenlois war es so ein Moment: Helmut Schieder, Praxislehrer an der Schule und Leiter des Schaugartens führt durch eine Welt aus Stein. Handwerk, das uralt ist, aber zugleich überraschend modern wirkt. Kein Zement, kein Mörtel, kein Kleber – nur sorgfältig gesetzte Steine, die sich gegenseitig tragen. Was auf den ersten Blick schlicht aussieht, ist in Wahrheit hohe Baukunst für Jahrhunderte: Trockenbau, wie ihn schon Generationen vor uns beherrscht haben.
Irische Steinbauten als Vorbild
Als Vorbilder nannte Schieder unter anderem irische Steinbauten: jene bienenkorbähnlichen Formen, die mit jeder Lage enger werden und am Ende ganz ohne Dachstuhl schließen. Ein Gartenhaus für ewig…
Das Prinzip ist einfach, aber nicht simpel: Jeder Stein muss sitzen, Last aufnehmen und an den nächsten weitergeben. So entstehen Mauern, Brücken, Sitzplätze, Außenküchen oder Griller, die nicht als Fremdkörper wirken, sondern wie selbstverständlich in den Garten hineinwachsen.
Die Mauer als kleines Biotop
Der große Reiz solcher Steinbauten liegt in ihrer Lebendigkeit. Wo sonst Mörtel alles verschließt, bleiben hier Fugen offen. Dort siedeln sich Hauswurz, Mauerpfeffer, Thymian oder kleine Farne an; Insekten finden Unterschlupf, Eidechsen wärmen sich auf. Eine richtig gebaute Trockenmauer ist daher nicht nur Gestaltungselement, sondern ein kleines Biotop. Wichtig ist ein tragfähiger Untergrund, ein gut verdichtetes Bett aus Bruchsteinen, dann große Steine unten, kleinere darüber und eine leichte Neigung zum Hang, wenn die Mauer stützen soll.
Das Wichtigste: Der Garten soll nicht nach einem Katalog eines Baumarktes aussehen, sondern nach einem gewachsenem Ort. Deshalb passen regionale Steine am besten. Wer mit Stein baut, braucht Geduld und ein gutes Auge. Man probiert, dreht, klopft nach, legt wieder weg – bis der Stein seinen Platz gefunden hat, denn gerade darin liegt der Charme: Kein Bauwerk gleicht dem anderen.
Das Schönste: Steinbauten altern würdevoll. Moos, Wärme, Schatten und Pflanzen verändern sie von Jahr zu Jahr. So wird aus Steinen ein Stück Gartengeschichte – Stein auf Stein, ganz ohne Mörtel, aber mit viel Gefühl.
7 Tipps für Steinideen im eigenen Garten
- Klein beginnen: Erst eine niedrige Kräutermauer oder Beetkante bauen, bevor man sich an Stützmauern wagt.
- Regionale Steine verwenden: Sie wirken natürlicher und passen besser zu Haus, Boden und Landschaft.
- Fundament nicht sparen: Ein verdichtetes Bett aus Bruchmaterial verhindert Setzungen und leitet Wasser ab.
- Steine verschränken: Fugen nie übereinander setzen, sondern jede Lage versetzt bauen.
- Pflanzen gleich mitdenken: Polsterstauden, Kräuter und Hauswurz schon beim Bau in passende Spalten setzen.
- Nischen planen: Kleine Sitzplätze, Holzablagen oder Kräuterfächer machen Mauern praktisch.
- Höhe respektieren: Hohe Stützmauern gehören in erfahrene Hände; im Garten reichen oft schon 40 bis 80 Zentimeter für große Wirkung.
Seminar für Steinbauer
In der Gartenbauschule Langenlois in NÖ findet vom 27. bis zum 31. Oktober 2026 ein Trockenstein-Workshop mit Steinkünstlern aus ganz Europa statt. Infos und Anmeldungen unter baf@gartenbauschule.at.







