Meine Gartenreisen beginnen meist lange bevor der erste Koffer gepackt ist – nämlich gut ein Jahr vorher. Bei England heißt das: ein stimmiges Landhaushotel finden, Flüge sichern und dann der schönste Teil, die Inspektion. Klingt nach Arbeit, ist aber eine wunderbare Mischung aus Vorfreude, Spürsinn und gelegentlichem Linksverkehr-Adrenalin. Zuletzt war ich eine Woche in Schottland, den Cotswolds und in London unterwegs, um gleich drei Reisen vorzubereiten.

Die britische Gastfreundschaft

Dabei staune ich jedes Mal über die britische Gastfreundschaft. Oft warten die privaten Gartenbesitzer schon am Tor – manchmal ein wenig aufgeregt, weil sie mich vorher im Internet gesucht haben. Dann steht da jemand mit einem ausgedruckten Foto, vergleicht es höflich mit dem Original und stellt fest: Das Original ist inzwischen etwas reifer… Andere sind enttäuscht, wenn ich ohne Blumenhemd erscheine. Man kann eben nicht alle Erwartungen erfüllen.

Von der Mutter zur Tochter…

In acht Tagen haben mein Freund und ich 34 Gärten besucht. Manche waren fix vereinbart, andere entdeckten wir im Vorbeifahren: bremsen, staunen, anläuten. Bei uns hieße es vermutlich: „Heute leider nicht.“ In England heißt es: „Come in!“ Ein Ehepaar stand sogar schon mit gepackten Koffern da, weil es nach Dänemark flog – und ließ uns trotzdem noch durch den Garten. Beim Plaudern stellte sich heraus, dass ich einst schon ihre Mutter besucht hatte: Rosemary Verey, die berühmte Gartengestalterin. Nächstes Jahr kommen wir zur Tochter. So öffnet sich im Garten manches Gartentürl – und der Marathon hat sich wieder gelohnt.