Wenn zu Allerheiligen Kerzen zwischen Grabsteinen leuchten, wird der Friedhof zum stillen Ort der Erinnerung. Doch ein Grab kann mehr sein, als eine Fläche für kurzlebigen Wechselflor: Mit heimischen Wildstauden entsteht ein kleiner Garten, der wenig Wasser braucht, Bienen Nahrung bietet und den Kreislauf der Jahreszeiten sichtbar macht.

Magerer Bodenaufbau

Entscheidend ist der Standort. Für ein sonniges, trockenes Grab empfiehlt Elke Holzinger, eine Wildpflanzen-Expertin aus Regau, einen mageren Bodenaufbau: „Den vorhandenen Boden etwa 30 Zentimeter tief gegen eine Mischung aus torffreier Bio-Erde und Quarzsand im Verhältnis 1:1 austauschen“. Alternativ eignet sich Kalkbruchschotter mit rund 20 Prozent unkrautfreier Erde. Eine etwa zwei Zentimeter starke Schicht aus Rundkies oder Splitt senkt die Verdunstung und sorgt für ein gepflegtes Bild, weil das Unkraut kaum keimen kann. Nach dem Pflanzen wird gründlich gegossen; später genügen Wassergaben während längerer Trockenperioden.

Was wichtig ist: Die Bepflanzung ist nicht am ersten Tag schon in voller Schönheit, sondern erst nach einigen Wochen, „und dann blühen sie aber ohne viel Zutun jahrelang“, erläutert Holzinger auch skeptischen Grabbesitzern.

Sieben Pflanzen für den letzten Garten

Die Arznei-Schlüsselblume eröffnet im Frühling das Blütenjahr. Frühlings-Fingerkraut bildet niedrige gelbe Polster, Wundklee setzt warme Farbakzente. Im Sommer folgen der duftende Arznei-Thymian, die zarte Rundblättrige Glockenblume, der genügsame Weiße Mauerpfeffer und die kräftig rosa blühende Kartäuser-Nelke. Alle sieben kommen mit mageren, sonnigen Standorten gut zurecht und bieten Insekten Pollen oder Nektar.

Damit das Grab das ganze Jahr attraktiv bleibt, werden niedrige Bodendecker am Rand und höhere Blüher in kleinen Gruppen gesetzt. Wiederholungen einzelner Arten wirken ruhiger als ein buntes Sammelsurium. In der Anwachsphase braucht auch diese Pflanzung regelmäßig Wasser; später wird nur bei längerer Trockenheit durchdringend gegossen.

Viel weniger Pflege

Die ‚Wilden Blumen‘ – vier Frauen – arbeiten hier zusammen – bieten heimische Pflanzen für jeden Standort an. „Nicht nur für Gräber“, sagt Elke Holzinger aber die Nachfrage steigt. Sechs verschiedene Varianten von gelb über weiß, von sonnigen Standorten bis zum Schatten. Alle haben eines gemeinsam. Sie benötigen viel weniger Pflege. Da dürfen im Herbst Samenstände und trockene Stängel stehen bleiben: Sie geben dem Grab Struktur, bieten Insekten Schutz und werden im Winter durch Raureif zu feinen Schmuckelementen. Zu Allerheiligen genügt ein kleiner Naturkranz als Akzent. „Erst im Frühling wird zurückgeschnitten“, erklärt Holzinger und fügt mit einem Lächeln hinzu – „diese scheinbare ‚Unordnung‘ muss man aber aushalten!“

„Dauerbepflanzung, heimische Arten und ungefüllte Blüten sowie der Verzicht auf Torf, Pestizide und mineralischen Dünger, sind die perfekte Alternative“, sind sich die „Wilden-Blumen“-Frauen einig. So sinkt der Pflege- und Wasserbedarf. Das Grab bleibt ein würdevoller Ort des Gedenkens – und wird zugleich zu einem kleinen Lebensraum. Und wem das Grab in der ersten Phase zu wenig blüht, der kann mit den kleinen Hornveilchen ein wenig Farbe in den ersten Wochen in die Gestaltung bringen. Viele säen sich selbst aus und bleiben über Jahre Begleiter.

Drei Fragen an Elke Holzinger

Bringt so eine kleine Fläche tatsächlich etwas für die Natur?

Wildblumenexpertin Elke Holzinger

Wildblumenexpertin Elke Holzinger

Nach dem Motto „jeder Quadratmeter zählt“ kann jede gesetzte heimische Wildblume eine Bereicherung für die Insektenwelt und die Artenvielfalt sein. Viele kleine Flächen können zu Trittinseln werden und so Biene, Schmetterling und Co. unterstützen.

Wenn es heißt, weniger gießen – was passiert, wenn ich gar nicht gieße?

Je magerer der Standort, umso weniger Wasser wird meist benötigt. Und selbst, wenn man mal gar nicht gießt, halten das viele heimische Pflanzen wie Mauerpfeffer, Thymian oder Kartäusernelke aus, weil in der Natur ja auch keiner gießt.

Wie erkenne ich einmal, ob ich die Pflanzen belasse oder ob es sich um Unkraut handelt?

Es empfiehlt sich Dreier- oder Fünfer-Gruppen einer Art zu pflanzen und nicht nur von jeder Art ein Stück. Erstens wirkt das besser und zweitens kann man das „Unkraut“ dann auch besser erkennen, das ev. dazwischen hochkommt.