Er raschelt im Wind und bringt Fernost in den Garten. Gerade jetzt im Herbst kommen die eindrucksvollen Stängel zur Geltung. Doch Bambus ist eine Pflanze der Extreme: die „Stämme“ sind federleicht, stabil, nützlich und ungestüm. Seit Jahrhunderten liefert er Material für Häuser, Gerüste, Möbel, Papier und Werkzeuge. Junge Sprosse sind in Asien ein beliebtes Gemüse – allerdings gekocht, denn roh enthalten sie Giftstoffe.

Für sein Tempo berühmt

Berühmt ist Bambus für sein Tempo: Manche Arten schaffen unter Idealbedingungen bis zu 90 Zentimeter am Tag. Daher stammt wohl die schaurige Erzählung von Gefangenen, die in Fernost über den Trieben gefesselt und gefoltert wurden. Botanisch wäre die Kraft vorhanden, historisch fehlen verlässliche Belege: Die „Bambusfolter“ scheint wohl eine Legende sein.

Im Garten entscheidet das Wachstum unter der Erde, ob der Bambus geliebt oder gehasst wird: Fargesia wächst horstig. F. robusta, F. rufa, F. murielae und F. nitida sind meist sehr winterharte Sichtschutzpflanzen, die ohne die sogenannte Rhizomsperre (Wurzelsperre) auskommen.

Nur mit Rhizomsperre pflanzen!

Phyllostachys hingegen wandert mit langen Wurzelausläufern. Deshalb gilt: nur mit Rhizomsperre pflanzen! Bewährt hat sich eine mindestens 70 Zentimeter tiefe, stabile Spezialfolie aus hochdichtem Polyethylen oder rostfestem Stahl. Es muss den Pflanzbereich ein geschlossener Ring umgeben. Beim Kunststoff muss die Schnittstelle sogar mit einer Metallschiene sicher verbunden werden. Wichtig: Den oberen Rand fünf bis zehn Zentimeter aus der Erde ragen lassen. So sieht man Rhizome, die darüberklettern, und kann sie abschneiden. Einmal jährlich den gesamten Rand kontrollieren – denn auch die beste Sperre ist kein Freibrief fürs Vergessen.

Sehr robust sind P. bissetii, P. aureosulcata ‘Spectabilis’ mit gelben Halmen und grüner Rinne sowie die gelbhalmige Form aureocaulis. P. parvifolia wird mächtig und gilt als erstaunlich kältefest. P. vivax ‘Huangwenzhu Inversa’ beeindruckt mit gelben Halmen und grünen Streifen, braucht aber viel Platz.

Viele Fargesien und robuste Phyllostachys vertragen – je nach Sorte und Standort – etwa minus 20 Grad, manche noch mehr. Gefährlicher als Frost sind oft Wintertrockenheit und Staunässe. Daher an frostfreien Tagen gießen und für durchlässigen Boden sorgen.

Ein verholzendes Süßgras

Noch ein wenig Botanik: Bambus ist ein verholzendes Süßgras. Weltweit gibt es rund 1.600 Arten. Neue Halme kommen bereits in ihrer endgültigen Dicke aus dem Boden. Horstbildner bleiben kompakt, Ausläuferbambusse wandern über Rhizome. Eine botanische Besonderheit: Manche Arten blühen erst nach 60 bis 120 Jahren – oft weltweit nahezu gleichzeitig. Danach sterben die Pflanzen meist ab, können sich aber über Samen erneuern.