Eigentlich hätte ich es wissen müssen: Die Königskerzen waren im vergangenen Spätsommer besonders groß und kräftig, wie mir ein Gärtnerfreund erklärte: Ein untrügliches Zeichen, dass ein strenger Winter bevorsteht. Über dieses alte Gärtnerwissen habe ich hier berichtet – doch insgeheim blieb ich skeptisch. Zu oft gab es die letzten zehn Jahre milde Winter.
Die Natur hat mich eines Besseren belehrt: Kaum zog der Dezember ins Land, griff der Frost nach meinem Garten. Wochenlang war der Himmel bleigrau, und die Sonne ließ sich nur selten blicken. Die Wege, die ich sonst auch im Jänner und Februar gerne gehe, lagen verlassen da. Mit jedem Tag wuchs die Sehnsucht nach Licht und Wärme. Es war, als hätte die Zeit alles festgefroren – nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Stimmung.
Macht der Frühling heuer eine Pause?
In solchen Momenten frage ich mich, ob der Frühling dieses Jahr vielleicht eine Pause macht. Die langen Wochen ohne Sonne, dafür mit reichlich Frost und eisigen Nächten, haben selbst die erfahrensten Gartenfreundinnen und -freunde überrascht. Doch gerade, als ich glaubte, dass der Winter wohl ewig bleiben würde, geschah das kleine Wunder: Zwischen den verwitterten Beeten tauchten die ersten Schneeglöckchen auf. Diese zarten Vorboten des Frühlings trotzen dem eisigen Boden und schenken Hoffnung, wo zuvor nur Kälte war.
Die Natur hat mich wieder einmal überrascht und mir gezeigt, dass man den alten Wetterzeichen manchmal doch vertrauen kann – aber genauso wichtig ist das Warten und die Vorfreude auf das neue Gartenjahr. Der Frühling kommt immer, vor allem dann, wenn wir ihn am nötigsten haben!