Die außergewöhnlichste Rose

Heuer ist wieder so ein Jahr. Frost und Schnee im November und mildes Wetter in der ersten Dezemberhälfte. Schon sind sie da, die Blütenknospen der außergewöhnlichsten Rose. Nicht bloß im Zimmer, sondern sogar draußen im Freien. Da wird klar, dass man dieser Pflanze – Helleborus niger – eine solche Bedeutung geschenkt hat: Es soll der Mönch Augustinus gewesen sein, der im Angesicht einer „mitten im kalten Winter“ erblühten Rose den Text für dieses Weihnachtslied  „Es ist ein Ros entsprungen“, geschrieben hat.

Ob es wirklich die Schneerose, oder eine „echte“ Rose war – egal: Die Christrosen begeistern die Menschen schon immer: Wenn Pflanzen Mitten im Winter zu blühen beginnen, dann müssen sie schon etwas besonderes sein. Nicht von ungefähr sind die Schnee- oder Christrosen deshalb als ein Mittel eingestuft worden, das die  ewige Jugend erhält und zu Pulver verarbeitet sogar unsichtbar machen kann! Mit der Nieswurz, wie die Pflanze auch genannt wird,  putzte man sich im Altertum  - allerdings des Giftes wegen nicht ganz ungefährlich - die Nase frei und meinte, damit böse Geister und Krankheiten auszuniesen. Die pulverisierten Rhizome der Christrose sind heute noch Bestandteile von Schnupftabaksorten und Niespulvern.

Christrosen sind seit einigen Jahren absolut im Trend, Und so sind auch die Züchter aktiv gewesen um noch kompakter wachsende Stöcke zu selektieren und noch schönere Blüten zu züchten. Drei Sorten sind heuer in den Gärtnereien und Gartencentern zu finden: „Josef Lemper“, „Jakob“ und „Joshua“ – der deutsche Pflanzenzüchter Kiepenkerl hat sie herausgebracht.  Fast könnte man aus den Blüten-Bildern ein Suchspiel für die Unterschiede machen – im Topf merkt man schon die unterschiedlichen Qualitäten. Lemper hat großes Laub. Jakob ist etwas kleiner im Wuchs und Joshua ganz kompakt.

Interessant sind diese Unterschiede weniger für die Tischdekoration am Hl. Abend, sondern viel mehr dann, wenn man sie im Garten auspflanzt.
Daher gilt bei der Pflege: Jetzt kaufen – bis zum großen Auftritt möglichst kühl stellen und dann nach dem Fest gleich wieder ins Kühle bringen. Ein ungeheizter Wintergarten ist dafür ideal. Nicht auf das Gießen vergessen und ab Ende Februar auspflanzen. Spätestens im übernächsten Jahr kommen dann wieder die Blüten.

Im Garten – an halbschattiger Stelle – ist die Christ- oder Schneerose (Helleborus niger ist die eigentliche "Christrose") alleine schon durch das Blatt ein "Winterschmuck"!  In Kälte und Schnee gehören einige Arten und Sorten auch zu den ersten Duftlieferanten des winterlichen Gartens. Wenn man einige Blüten ins Zimmer holt, dann kommt der schöne Duft allerdings erst so richtig zur Geltung! In der Vase halten sie sich als Schnittblume nur kurze Zeit.
Übrigens: Auf dem Land galt die Christrose als Orakelblume. Man stellte in der Weihnachtsnacht zwölf Blütenknospen der Christrose ins Wasser. Jede Knospe bedeutet einen Monat, und man liest das Wetter des kommenden Jahres an der Art und Weise ab, wie sich die Knospen öffnen. Die geschlossenen Knospen bedeuten schlechtes Wetter, die offenen gutes.