Biogärtner Karl Ploberger
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Holunder: Der „Baum der Götter“ hat viele Gesichter

Beginnen wir gleich beim wenig bekannten: Holunder als Ziergehölz? Nicht der Fruchtholunder ist hier gemeint, sondern seine mittlerweile auch bei uns erhältlichen zahlreichen Blattschmuck-Abkömmlinge.
So gibt es dunkellaubige Sorten mit gefiederten Blättern, die für einen Laien von der Ferne fast wie ein Japanischer Ahorn aussehen. Die Sorte „Black Lace“ gibt es zum Beispiel bei uns in Baumschulen zu kaufen. Ähnlich ist die Sorte „Laciniata“ – sie ist allerdings im Laub grün und sieht beinahe aus wie ein Farnbaum.

Tiefrot bleibt die Sorte „Black Beauty“. Ihr Laub ist so geformt wie beim normalen Holunder, allerdings dunkelrot. Ein echter Blickpunkt im Garten ist schließlich die Sorte „Southerlands Gold“. Das Laub von diesem Holunder ist beinahe gelb und leuchtet vor allem in der Abend- und Morgensonne. Besonders auffällig ist die Sorte „Madonna“ mit einem gelb-grünen Laub.

Aus England mitgebracht habe ich eine Pflanze, die ich noch nicht in Baumschulen entdeckt habe: „Pulverulenta“, die ein grün-weiß gesprenkeltes Laub besitzt.

Man sieht also, dass die Vielfalt bei diesem scheinbar so normalen Gehölz enorm ist. Noch dazu haben alle diese Holunder eines gemeinsam: sie blühen wie ihre „gewöhnlichen“ verwandten und ihre Früchte lassen sich verwerten. Als Hollerröster, als Marmelade oder Saft. So lohnt es sich am Zaun, in einem großen Blumenbeet oder auch ganz bewusst als Abgrenzung zum Komposthaufen diese Holunder zu pflanzen.

Freilich: derart große Ernten, wie bei der besten Fruchtsorte „Haschberg“, darf man sich bei den Zierformen nicht erwarten. Denn diese Sorte hat gegenüber den wild wachsenden Sträuchern am Waldrand einen großen Vorteil. Die Trauben sind dicht mit Beeren besetzt, die alle zur gleichen Zeit reif werden. So wird aus einem einzigen Fruchtstand ein köstlicher Nachtisch für die ganze Familie.

Und das ist Gesundheitskost pur: Ist er ungekocht giftig, so wird er gekocht beinahe zur Medizin. Er enthält Vitamin A und C.

Und im Frühsommer kann die Blüte entweder im Backteig heraus gebacken werden oder die Blütenstände werden getrocknet: als Tee gegen Erkältungskrankheiten und zur Blutreinigung.

Die Pflege des Holunders ist gering: ein humoser Boden, der nicht austrocknet und der ab und zu mit Kompost versorgt wird, reicht und aus einem kleinen Strauch wird ein mächtiges Gehölz, das auch kräftig geschnitten werden kann. Holunderkulturen in der Steiermark werden zum Beispiel meist als Hochstämme gezogen und jährlich stark zurückgeschnitten. Auf den jungen Trieben bilden sich dann die Blüten. Aufpassen heißt es nur in Gärten mit vielen Wühlmäusen. Sie lieben die Wurzeln und daher werden alle Holunder im Gitterkorb gepflanzt (nachdem ich 4 Sträucher verloren hatte). Lästig sind auch noch die Schwarzen Blattläuse: sie bekämpft man ganz einfach mit dem Orhwurmhäuschen. Der mit Holzwolle gefüllte Tontopf wird verkehrt herum in den Strauch gehängt, dass der Rand des Topfes den Stamm berührt. Ist das Gehölz sehr groß, sollten mehrere solche Ohrwurm-Hotels aufgehängt werden.

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